Alle Erlösquellen eines Batteriespeichers
FCR. aFRR. mFRR. Spotmarkt-Arbitrage. Wenn du anfängst, dich mit Batteriegroßspeichern zu beschäftigen, begegnen dir diese Begriffe ständig – und niemand erklärt sie vernünftig. Ich kenne das Gefühl. Als ich das erste Mal eine Projektpräsentation gesehen habe, die mit „FCR-Erlöspotenzial“ argumentiert hat, habe ich genickt und nichts verstanden.
Inzwischen weiß ich: Hinter diesen Abkürzungen steckt das eigentliche Herzstück jedes BESS-Projekts. Denn ein Batteriespeicher, der einfach nur Strom speichert und wieder abgibt, ist noch kein Geschäftsmodell. Erst wenn du weißt, wann du einspeist, für wen und zu welchem Preis – dann wird aus einem technischen System ein Investment.
In diesem Artikel erkläre ich dir die wichtigsten Erlösquellen eines BESS – so verständlich, dass du danach jede Projektpräsentation verstehst. Und ich zeige dir, welche Einnahmen für mein eigenes Projekt relevant sind.

Die Grundlage: Warum das Stromnetz Speicher braucht
Bevor wir zu FCR und Co. kommen, brauchen wir eine kurze Grundlage. Das europäische Stromnetz funktioniert nur, wenn Erzeugung und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht sind. Die Netzfrequenz zeigt dieses Gleichgewicht an: 50 Hertz ist der Sollwert. Weicht die Frequenz ab, ist das Netz aus dem Gleichgewicht – und im schlimmsten Fall droht ein Blackout.
Früher haben Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke diese Stabilität fast automatisch geliefert – durch ihre rotierende Masse. Mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie fällt diese natürliche Pufferung weg. Jemand muss das ausgleichen. Und genau dafür werden Batteriegroßspeicher eingesetzt – und dafür bezahlt.
Das Stromnetz braucht jede Sekunde jemanden, der bereit ist, sofort Strom zu liefern oder zu schlucken. Ein BESS kann das in Millisekunden. Kein Gaskraftwerk, kein Windrad kann das so schnell.
Leonard, BESS-Kompass
FCR – Primärregelleistung: Die schnellste Einnahmequelle
FCR steht für Frequency Containment Reserve – auf Deutsch: Primärregelleistung. Das ist die schnellste und für viele BESS-Projekte wichtigste Erlösquelle.
Was passiert bei FCR?
Du verpflichtest dich gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber (in Deutschland: 50Hertz, Amprion, TenneT oder TransnetBW), eine bestimmte Leistung – zum Beispiel 100 kW – jederzeit innerhalb von 30 Sekunden bereitzustellen. Wenn die Netzfrequenz unter 50 Hz fällt, speist dein BESS automatisch Strom ein. Wenn sie über 50 Hz steigt, lädt es Strom. Das passiert vollautomatisch, ohne dass du einen Finger rührst.
Was verdienst du damit?
Du wirst nicht für den tatsächlich gelieferten Strom bezahlt – sondern für die Bereitstellung der Kapazität. Das ist ein wichtiger Unterschied. Du bekommst eine Prämie dafür, dass du jederzeit abrufbar bist. Die Höhe dieser Prämie wird wöchentlich an einer gemeinsamen europäischen Plattform ausgeschrieben.
Die FCR-Preise schwanken je nach Angebot und Nachfrage – typischerweise zwischen 3 und 15 Euro pro MW und Stunde. In Phasen mit wenig Angebot (zum Beispiel wenn viele Speicher gleichzeitig in Wartung sind) steigen die Preise deutlich.
Warum FCR für kleine Projekte ideal ist
FCR kann ab einer Mindestgröße von 1 MW Leistung direkt ausgeschrieben werden. Kleinere Projekte wie meines (270 kW) können über einen Direktvermarkter gebündelt werden – mehrere kleine BESS werden zusammengeschlossen und gemeinsam als ein großes System am Markt angeboten. Dafür zahlt man dem Direktvermarkter eine Provision, hat aber Zugang zum Markt.

aFRR – Sekundärregelleistung: Mehr Erlös, mehr Anforderungen
aFRR steht für automatic Frequency Restoration Reserve – Sekundärregelleistung. Sie greift, wenn FCR alleine nicht ausreicht, das Netz wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Was passiert bei aFRR?
Während FCR vollautomatisch und lokal reagiert, wird aFRR zentral vom Netzbetreiber angefordert. Dein BESS muss innerhalb von 5 Minuten die angeforderte Leistung liefern – und das für eine Dauer von bis zu 15 Minuten. Danach übernimmt die nächste Ebene.
Was verdienst du damit?
Bei aFRR gibt es zwei Vergütungskomponenten:
Leistungspreis: Wie bei FCR wirst du für die Bereitschaft bezahlt – unabhängig davon, ob du tatsächlich abgerufen wirst.
Arbeitspreis: Wenn du tatsächlich Strom lieferst oder aufnimmst, bekommst du zusätzlich den sogenannten Arbeitspreis – der kann in Extremsituationen sehr hoch sein.
aFRR ist lukrativer als FCR – aber auch anspruchsvoller. Die Systeme müssen präziser sein, die Verträge strenger eingehalten werden. Für ein Erstprojekt wie meines ist FCR der sinnvollere Einstieg.
mFRR – Tertiärregelleistung: Der Langstreckenläufer
mFRR steht für manual Frequency Restoration Reserve – Minutenreserve oder Tertiärregelleistung. Das ist die langsamste der drei Regelenergiearten.
Was passiert bei mFRR?
mFRR wird manuell vom Netzbetreiber abgerufen und muss innerhalb von 12,5 Minuten zur Verfügung stehen – für eine Dauer von bis zu einer Stunde. Es geht dabei nicht mehr um Sekunden, sondern um längere Stabilisierungsphasen.
Für welche BESS geeignet?
mFRR ist für Batteriespeicher mit höherer Kapazität interessanter – also Systeme, die auch über längere Zeit Leistung halten können. Für kleine Projekte mit wenig Kapazität ist mFRR weniger attraktiv, weil der Speicher schnell leer wäre.
Spotmarkt-Arbitrage: Günstig kaufen, teuer verkaufen
Neben dem Regelenergiemarkt gibt es eine weitere wichtige Einnahmequelle: die Spotmarkt-Arbitrage. Das Prinzip ist simpel – und klingt fast zu einfach, um wahr zu sein.
Wie funktioniert es?
An der Strombörse (EPEX Spot) schwanken die Preise stündlich stark. Mittags, wenn viel Solarstrom eingespeist wird, sind die Preise oft sehr niedrig – manchmal sogar negativ. Abends und morgens, wenn der Bedarf hoch und die Solareinspeisung niedrig ist, steigen die Preise stark an.
Ein BESS kauft Strom billig (oder nimmt ihn kostenlos ab), speichert ihn – und verkauft ihn teuer. Die Differenz ist der Gewinn. Klingt wie Börsenhandel. Ist auch einer – nur mit Strom.
Was lässt sich damit verdienen?
Die Arbitrage-Erlöse hängen stark von der Preisvolatilität ab. In Jahren mit viel erneuerbarer Einspeisung und hohen Preisschwankungen kann Arbitrage sehr lukrativ sein. In ruhigeren Jahren sind die Margen geringer. Deshalb setzen die meisten BESS-Projekte auf eine Kombination aus FCR und Arbitrage – um unabhängiger von einzelnen Marktbedingungen zu sein.

Peak Shaving: Stromkosten senken statt Strom verkaufen
Peak Shaving ist eine andere Art, mit einem BESS Geld zu verdienen – oder besser gesagt: Geld zu sparen. Es ist besonders für gewerbliche und industrielle BESS-Projekte interessant.
Wie funktioniert Peak Shaving?
Große Stromverbraucher – Fabriken, Rechenzentren, Logistikzentren – zahlen nicht nur für den verbrauchten Strom, sondern auch für die maximale Leistungsspitze (den Peak), die sie aus dem Netz ziehen. Diese Leistungsspitze bestimmt den sogenannten Leistungspreis, der einen erheblichen Teil der Stromrechnung ausmachen kann.
Ein BESS kann in dem Moment, in dem eine Leistungsspitze droht, automatisch einspringen und Strom liefern – so wird der Peak gekappt. Das Ergebnis: niedrigere Netzentgelte, niedrigere Stromrechnung.
Ist Peak Shaving für mein Projekt relevant?
Für mein aktuelles Projekt (netzgekoppelt, kein direkter Industriekunde) ist Peak Shaving nicht das primäre Geschäftsmodell. Aber für Projektentwickler, die Speicher direkt für Industriekunden bauen, ist es ein sehr stabiler und gut planbarer Erlösstrom.
Die Praxis: Wie Erlösquellen kombiniert werden
In der Realität nutzen die meisten BESS-Projekte nicht nur eine Erlösquelle – sondern kombinieren mehrere. Das nennt sich Revenue Stacking. Ein Direktvermarkter übernimmt dabei die komplexe Aufgabe, das BESS optimal zwischen den verschiedenen Märkten zu steuern.
Eine typische Kombination für ein kleines bis mittleres BESS in Deutschland sieht so aus:
Primär: FCR-Bereitstellung über Direktvermarkter → stabile Grundeinnahme
Ergänzend: Spotmarkt-Arbitrage in Stunden ohne FCR-Abruf → zusätzliche Erlöse
Optional: aFRR in Phasen hoher Prämien → Boost bei günstiger Marktlage
Mein Planer und ich arbeiten gerade an der richtigen Strategie für mein Projekt. Sobald ich konkrete Zahlen habe, werde ich sie hier teilen.
Revenue Stacking ist kein Hexenwerk – aber es braucht die richtige Software und den richtigen Direktvermarkter. Die Entscheidung, wem du dein BESS anvertraust, ist eine der wichtigsten des gesamten Projekts.
Leonard, BESS-Kompass
FCR vs. aFRR vs. mFRR vs. Arbitrage – der Überblick
FCR (Primärregelleistung)
Reaktionszeit: 30 Sekunden · Vergütung: Leistungspreis · Stabilität: hoch · Ideal für: alle BESS-Größen (via Direktvermarkter)
aFRR (Sekundärregelleistung)
Reaktionszeit: 5 Minuten · Vergütung: Leistungs- + Arbeitspreis · Stabilität: mittel · Ideal für: mittelgroße bis große BESS
mFRR (Minutenreserve)
Reaktionszeit: 12,5 Minuten · Vergütung: Leistungs- + Arbeitspreis · Stabilität: mittel · Ideal für: große BESS mit hoher Kapazität
Spotmarkt-Arbitrage
Reaktionszeit: stündlich · Vergütung: Preisdifferenz · Stabilität: schwankend · Ideal für: Ergänzung zu FCR/aFRR
Peak Shaving
Reaktionszeit: automatisch · Vergütung: Kosteneinsparung · Stabilität: sehr hoch · Ideal für: BESS bei Industriekunden

Was das für mein Projekt bedeutet
Mein BESS hat 270 kW Leistung und rund 550 kWh Kapazität. Damit bin ich zu klein für eine direkte FCR-Ausschreibung – die Mindestgröße liegt bei 1 MW. Ich werde deshalb über einen Direktvermarkter am FCR-Markt teilnehmen, der mehrere kleine Speicher bündelt.
Das bedeutet: Ich zahle eine Provision, habe aber Zugang zu denselben Märkten wie ein großes Kraftwerk. Für ein Erstprojekt in dieser Größenordnung ist das der sinnvollste Weg. Welchen Direktvermarkter ich wähle und warum – das werde ich in einem separaten Artikel erklären, sobald die Entscheidung gefallen ist.
FAQ – Häufige Fragen zu FCR, aFRR und BESS-Erlösen
Wie viel verdient ein BESS pro Jahr?
Das hängt stark von Größe, Marktlage und Geschäftsmodell ab. Als grobe Orientierung: Ein gut gesteuertes BESS im FCR-Markt kann einen Jahreserlös von um die 200.000 Euro pro installiertem MW erzielen – in guten Jahren mehr, in schwachen weniger. Die Preise schwanken erheblich.
Muss ich das BESS selbst steuern?
Nein. Ein Direktvermarkter übernimmt die gesamte Marktsteuerung automatisch. Du lieferst das System, der Direktvermarkter optimiert die Erlöse – und überweist dir monatlich deinen Anteil. Das ist das typische Modell für kleine und mittlere BESS-Projekte.
Was ist ein Direktvermarkter?
Ein Direktvermarkter ist ein Unternehmen, das zwischen BESS-Betreibern und den Regelenergiemärkten vermittelt. Er bündelt mehrere kleine Speicher zu einem virtuellen Kraftwerk, nimmt an Ausschreibungen teil und steuert die Systeme automatisch. Bekannte Anbieter in Deutschland sind unter anderem Entelios, Next Kraftwerke und Statkraft.
Kann ich als kleiner Betreiber überhaupt am FCR-Markt teilnehmen?
Ja – über einen Direktvermarkter. Die Mindestgröße für die direkte Teilnahme an FCR-Ausschreibungen liegt bei 1 MW. Kleinere Projekte werden gebündelt. Das ist die gängige Praxis für Projekte unter 1 MW.
Ist FCR oder Arbitrage besser?
Beides hat Vor- und Nachteile. FCR bietet stabilere, planbarere Erlöse. Arbitrage ist volatiler, kann aber in bestimmten Marktphasen sehr lukrativ sein. Die meisten professionellen BESS-Betreiber kombinieren beides – Revenue Stacking nennt sich das. vel eros. Ac orci phasellus egestas tellus rutrum tellus pellentesque. Id neque aliquam vestibulum morbi. Hac habitasse platea dictumst quisque sagittis purus sit amet.